Semesterspruch

 

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C.F. Gauss an W. Olbers Braunschweig, 26.10.1802 Schilling 1900/09,1, S. 105-106

 Gegen das Dozieren habe ich einmal eine wahre Abneigung; das perennierende* Geschäft eines Professors der Mathematik ist doch im Grunde nur, das ABC seiner Wissenschaft zu lehren; aus den wenigen Schülern, die einen Schritt weitergehen und gewöhnlich, um in der Metapher zu bleiben, beim Zusammenlesen bleiben, werden die meisten nur Halbwisser, denn die selteneren Anlagen wollen sich nicht durch Vorlesungen bilden lassen, sondern bilden sich selbst. Und mit diesen undankbaren Aufgaben verliert der Professor seine edle Zeit. Ich habe es bei meinem vortrefflichen Freunde Pfaff gesehen, bei dem ich einmal ein paar Monate war, wie wenig fragmentarische Stunden er zu eigenen Arbeiten übrig hat von den publicis, privatis, privatissimis, den Vorbereitungen dazu und anderen mit dem Amte eines Professors verbundenen Beschäftigungen.

Die Erfahrung scheint dies auch zu bestätigen. Ich weiß keinen Professor, der wirklich viel für die Wissenschaft getan hätte, als den großen Tobias Mayer, und dieser galt zu seiner Zeit für einen schlechten Professor. Ebenso, wie unser Freund Zach es öfters angemerkt hat, in unseren Tagen sind diejenigen, die das Beste für die Astronomie tun, nicht die besoldeten Universitätslehrer, sondern sogenannte Dilettanten, Ärzte, Juristen etc. Und bei dieser Ansicht, wenn die Farben vielleicht auch etwas zu dunkel sein sollten, würde auch ich unendlich lieber das letztere sein als das erstere, wenn ich nur unter beiden die Wahl hätte. Ich würde mit tausend Freuden ein ungelehrtes Amt annehmen...“

 

„Carl Friedrich Gauss“, Kurt-R. Biermann,  Urania Verlag Leipzig Jena Berlin 1990 S.64                                      

 

 *dauernde